Menschen bei der renatec

Jürgen Mostertz

 

Jürgen Mostertz ist 30 Jahre bei der renatec

 
Verantwortungsvoll mit Menschen umgehen

Der neue renatec-Geschäftsführer Frank Bente hört gespannt zu. Jürgen Mostertz erzählt aus seiner 30-jährigen Arbeitserfahrung im Unternehmen. Allein die Konstellation ist schon nicht ganz alltäglich: Der dienstjüngste Mitarbeiter der renatec lauscht aufmerksam wie der zweit-dienstälteste Mitarbeiter aus seinem umfangreichen Erlebnisschatz berichtet. Ein Stück gelebte Firmengeschichte.

„Fast mein halbes Leben habe ich mittlerweile bei der renatec gearbeitet“, erzählt Jürgen Mostertz. Begonnen hat er im Unternehmen am 7. Januar 1991, damals eingestellt als Sozialarbeiter. Zuvor hatte er schon als Praktikant sein Anerkennungsjahr hier absolviert. Sozialarbeiter war nur die erste der zahlreichen unterschiedlichen Aufgaben, für die er im Lauf der Zeit verantwortlich war. Als er begann zählte die renatec selbst nur fünf Jahre. Von der Diakonie gegründet wurde sie 1986 mit dem Ziel, Menschen in Arbeit zu bringen. Vieles war damals noch ganz anders als heute. Die renatec fungierte als reiner Beschäftigungsbetrieb mit drei Bereichen – Maler, Garten-Landschaftsbau und Möbel, sie hatte zwölf Mitarbeiter. Er kam hier an mit einer Ausbildung zum Elektriker und einem anschließenden Studium der Sozialarbeit. Sein erster Einsatzort war das damalige Gebrauchtmöbellager auf der Kölner Straße. Das Gebäude existiert heute längst nicht mehr.

In einem Sozialunternehmen wie der renatec ist das anfallende Aufgabenspektrum über so lange Zeit breitgefächert. Die Schreinerei als ABM-Projekt und die Elektroabteilung kamen damals zum Unternehmen hinzu. Er wurde aufgrund seiner handwerklichen Fähigkeiten mit Arbeitsantritt Abteilungsleiter. Mit psychisch erkrankten Teilnehmer*innen arbeitete er im Projekt „Therapeutische Beschäftigung“, ein Projekt, das es so in Düsseldorf nur bei der renatec gab.

Mit Würde und Wert

Über die Jahrzehnte haftet so manche Erinnerung ganz besonders stark. Zum Beispiel immer dann, wenn die renatec Pionierarbeit geleistet, sprich Neuland betreten hat. Dazu gehörte ím Jahr 2000 die Gründung des ersten fairhauses, erinnert sich Jürgen Mostertz. Es lag an der Aachener Straße „Das Konzept sorgte bundesweit für Furore, denn das fairhaus war von Anfang an als ´echter´ Laden konzipiert. Das bedeutet es war ansprechend eingerichtet und wer dort einkaufte wurde freundlich bedient – wie in einem guten Geschäft eben. Die Besucher waren Kunden, nicht Hilfeempfänger oder Bittsteller, ein Grundsatz der in den fairhäusern bis heute gilt. Von Anfang an wollten die Planer das Kleiderkammer-Image vermeiden. Anders als heute bestand eine Anbindung an das Düsseldorfer Umweltamt. Der Grund: Anfangs verkauften die fairhäuser gebrauchte Waren, der ökologische Gedanke stand ganz im Vordergrund. „Wiederverwendung“ lautete damals die Devise. Die Möbelhäuser hatten zudem einen eigenen Namen: „fairwerk“.

Jürgen Mostertz (m.), Gechäftsführer Frank Bente (r.), Fachbereichsleiter Handwerk Sascha Göttinger (l.)

Noch an weitere Highlights erinnert sich der Allrounder Mostertz. Zu diesen zählt für ihn auch das Handeln der renatec in der Flüchtlingskrise im Jahr 2015. „Wir haben als Einrichtung da sehr flexibel reagiert. Das hat uns auch neue Betätigungsfelder eröffnet.“

Die größte Besonderheit bei der renatec sieht Jürgen Mostertz allerdings in einer ganz anderen Tatsache: „In meinen Augen war und ist es das größte Erlebnis, dass bei der renatec ordentlich mit Menschen umgegangen wird. Die Menschen werden mit Respekt behandelt, es wird ihnen Würde und Wertschätzung entgegengebracht. Und so werden sie auch behandelt.“

Nichts Besseres

Wenn jemand so lange bei einer Firma arbeitet, ist auch das kein Zufall mehr. Für sein langes Bleiben führt er seine Gründe an: „Ich habe die weitgehend selbständige Arbeit und den guten Umgang miteinander stets sehr genossen. Natürlich habe auch ich am Anfang gedacht, dass die renatec nicht die letzte Station in meinem Arbeitsleben sein wird. Man sieht sich natürlich auch um. Aber ich sage immer so schön ´ich habe nichts Besseres gefunden´“.

Seine eigene Arbeitsweise umschreibt der Rheinländer mit den Begriffen „Teamplayer“ und „unaufgeregt“. Es war eben sehr oft nötig, auf viele unterschiedliche Ansprüche einzugehen und situativ zu handeln. Über die vielen Jahre und in den zahlreichen Aufgaben und Anforderungen hat er sich diese Herangehensweise angeeignet.

Mit einer gehörigen Portion Humor und Selbstironie bezeichnet er sich in diesem Zusammenhang als „Universaldilettant“, als jemand eben, der von vielem ein bisschen kann und wenig ganz professionell. Gerade deshalb hat er bei der renatec mit ihren stetig wandelnden Angeboten, Aufgaben und Herausforderungen immer wieder etwas Neues und Interessantes gefunden und dazugelernt.

Die Stärken aber auch die Schwächen eines Unternehmens kennt er nach so langer Zeit natürlich gut. So betont er, dass die renatec früher die Interessen der Teilnehmenden durch eine stärkere gesellschaftliche Positionierung besser vertreten hat. Das fehlt ihm heute. „Auch der Gedanke zu ökologischem Handeln war schon mehr vorhanden“, so seine Einschätzung. Und letztendlich wünscht er sich eine bessere interne Kommutation im Unternehmen. Geschäftsführer Frank Bente hört aufmerksam zu und nickt.

Aktuell arbeitet Jürgen Mostertz unter anderem als IT-Fachmann. Zusätzlich begleitet er die sogenannten AGH-Stellen, in Kooperation mit dem Stadtsportbund, pädagogisch und administrativ. Der renatec-Fachbereichsleiter für das Handwerk, Sascha Göttinger, schätzt seine Erfahrung ganz besonders: “Die Vielseitigkeit und das Wissen aus dieser langen Zeit sind bei vielen unserer Aufgaben im Fachbereich extrem wichtig und wertvoll“, kommentiert er. Nach dreißig Jahren bei der renatec plant Jürgen Mostertz am 1. Juli 2021 in Rente zu gehen.